Anti - Aging - Programm

(Auszüge aus bzw. nach: Richard KLATT „Lange leben mit Genuss

 

Zusammenfassung: Der Alterungsprozeß ist außerordentlich vielschichtig in Abhängigkeit von genetischen Faktoren, Lebensweise und Lebensbedingungen mit extremen individuellen Schwankungen.
Deshalb ist für jeden Menschen ein eigenes Anti-Aging-Programm erforderlich.

Auf welcher Grundlage wir das tun, zeigt dieser Baustein.
Und am Schluss steht ein Fazit, für alle.

Da sprach der Herr: Mein Geist soll nicht
immerdar im Menschen walten, denn auch
der Mensch ist Fleisch. Ich will ihm als
Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre.
1. Moses 5.6.






Wie alt möchten, wie alt können Sie werden?
Wollen Sie 100 Meter laufen, ist das sicher kein Problem. 1000 Meter werden Sie schon vorsichtiger angehen. Für 10.000 Meter brauchen Sie ein längeres Training, und einen Marathonlauf durchzuhalten, gelingt Ihnen wohl nur nach entsprechender Vorbereitung unter Anleitung eines Fachmannes.
So ist es auch mit dem Leben. Wenn Sie gesund alt werden wollen, müssen Sie diesen Prozess steuern.

Lohnt es sich denn überhaupt, alt zu werden?
Warum nicht, wenn das Leben einen Inhalt hat und Freude macht.
Und was ist alt?
Dafür gibt es Definitionen, aber in jedem Lebensabschnitt wird Alter anders empfunden.
Beispiele aus dem Leben: Vor zwanzig Jahren las ich eine kurze Meldung über eine 88jährige amerikanische Touristin, deren Leben erst durch einen Steinschlag in den Schweizer Bergen beendet wurde.
Dann hat mich das Bild eines ärztlichen Kollegen beeindruckt, das ihn in tadelloser Haltung beim Kopfsprung vom Drei-Meter-Brett (oder waren es fünf?) zeigte. Das Foto wurde an seinem 90igsten Geburtstag aufgenommen. In diesem Jahr wird er 100 Jahre alt, und er nahm am diesjährigen Internistenkongress teil.
Der älteste Mont Everest-Besteiger ist 70 Jahre alt, und der bisher älteste Mensch, der einen Marathon-Lauf erfolgreich absolviert hat, immerhin schon 94 Jahre.

Wie alt können Sie werden?
Wie alt kann ein Mensch überhaupt werden? 120 Jahre sicher, weil sie nachweislich schon gelebt wurden. Oder 180 Jahre, über die einige mutige Wissenschaftler spekulieren?
Eine überzeugende Antwort auf diese Fragen gibt es noch nicht.
Sicher ist, die natürliche Lebensspanne des Menschen ist theoretisch viel größer als sie von der überwiegenden Mehrheit erreicht werden kann.
Sieht man sich das Leben nachweislich sehr alt gewordener Menschen an, fallen mehrere Dinge auf. Das erste ist Mäßigkeit, vor allem im Essen. Das zweite ist Aktivität, überwiegend geistige. Das dritte ist Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe oder einer langlebigen Familie. Ob dabei genetische Faktoren oder soziokulturelle Gründe eine Rolle spielen, ist unklar. Wahrscheinlich beide.
Der bisher zweifelsfrei älteste Mensch, die Französin Jeanne Calment, starb am 4. August 1997 im 123. Lebensjahr.

Was begrenzt die natürliche Lebensdauer?
Für den natürlichen Alterungsprozess und für den natürlichen Tod gibt es aus naturwissenschaftlicher Sicht mehrere Denkmodelle. Ihnen liegen im Kern Verschleiß oder kumulierende chemische Vergiftungen bzw. physikalische Einflüsse zu Grunde.
Das Entscheidende ist, die Natur kann kein Interesse an einem überlangen Leben haben, weil das der Weiterentwicklung der Art entgegensteht und weil der Organismus mit Abschluß der Fortpflanzung seinen biologischen Auftrag erfüllt hat. Deshalb sind in der zweiten Lebenshälfte alle Regulations- und Integrationsmechanismen immer weniger in der Lage, die unendliche Vielzahl unterschiedlichster Körperzellen in einer funktionierenden Einheit zusammen zu halten. Die Fehler häufen sich so lange, bis das System zusammenbricht.
Aber wir sind nicht nur biologische Wesen. Die Natur hat den Menschen mit Intelligenz ausgestattet. Er kann diese Zusammenhänge erkennen und der Natur ein Schnippchen schlagen.
Wenn wir untersuchen, warum fast niemand seine biologisch mögliches Lebensalter erreicht, kommen wir automatisch in das Reich der Krankheiten.
Nahezu alles, was als die Lebensdauer verlängernd bekannt ist, lässt sich in die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten einordnen. Deshalb bleibt gegenwärtig nur übrig, alle bekannten lebensverlängernden Einflüsse zu nutzen und vorzeitiges Altern und frühen Tod durch Krankheiten zu vermeiden.
Das ist es, was Sie tun können, gesund alt zu werden.


Nutzen Sie alles, was das Leben verlängert

Überdenken Sie Ihre Lebenseinstellung und Ihre Lebensplanung
Setzen Sie sich ein Ziel, es müssen ja nicht gleich 120 Jahre sein. Ob Sie eine realistische Chance haben, das gewünschte Alter zu erreichen, können Sie nach wenigen Seiten selbst beurteilen.
Und dann füllen Sie diese Zeit mit Genuss und bewusst aus.

Belohnen Sie sich täglich
Vor Jahrzehnten hat die Weltgesundheitsorganisation die Gesundheit nicht nur als Fehlen von Krankheit definiert, sondern als völliges körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden.

Können wir Wohlbefinden bewusst steuern?
In Gehirn gibt es eine Struktur, die auf das Verhalten des Menschen einen unglaublichen Einfluss hat, es sogar prägt. Es ist das Belohnungszentrum, das für unser Wohlbefinden verantwortlich ist. Deshalb braucht es unbedingt ständige Impulse. Diese erhält es über Botenstoffe im Gehirn, Neuro-Transmitter genannt. Sie vermitteln die Informationen zwischen den einzelnen Nervenzellen. Die wichtigsten sind Serotonin, Dopamin, Glutamat, Acetylcholin und Melatonin.
Das Ausbleiben, beispielsweise wenn der Transmitter Serotonin, das „Glückshormon“, unzureichend vorhanden ist, hat Krankheitswert, z.B. in akuter Form als Entzugserscheinung bei Sucht, in chronischer als Depression.
Logischerweise trägt alles, was den Neuro-Transmittern hilft, auch zu einer Besserung des Befindens bei.
Aus der Vielzahl der bisher bekannten Anreger eine Auswahl:

  • Liebe, Sex und Zärtlichkeit
  • Genussmittel: Alkohol, Rauchen, Kaffee, Drogen
  • Essen, besonders süsses und fettes (Schokolade und Eis als klassische Kombinationen)
  • Sport und körperliche Aktivität
  • Sozialer und beruflicher Erfolg
  • Freude jeder Art
  • Geborgenheit und Geselligkeit
  • Lachen
  • Fürsorglichkeit, auch gegenüber Tieren
  • Gute Taten (Selbstbelohnung)
  • Gebete
  • Meditation und andere Entspannungsverfahren
  • Schöpferische Tätigkeit
  • Musik
  • Medikamente: Hormone, Anti-Depressiva
  • Kaufen und konsumieren
Diese Anreger wirken unterschiedlich stark. Von den Drogen beispielsweise wird das Belohnungszentrum derart stark mit Neuro-Transmittern überflutet, dass jeder andere Reiz dagegen verblasst.

Nach diesen Überlegungen wäre Sucht nichts Anderes als eine allzu einseitige Befriedigung unseres Belohnungszentrums.
Wen wundert es dann noch, wenn Scheidungskinder fünf Mal häufiger zur Zigarette greifen als ihre Altersgenossen in intakten Familien? Und wer kann sich den Kummerspeck immer noch nicht erklären?


Pflegen Sie Ihre sozialen Beziehungen
Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen, ständige soziale Kontakte sind wichtig für dauerndes Wohlbefinden.

Erhalten Sie Ihre geistige und körperliche Aktivität
Was bisher reine Lebenserfahrung war, haben wissenschaftliche Untersuchungen belegt: Die Leistung der Nervenzellen im Gehirn hängt von der Häufigkeit ihrer Inanspruchnahme, sprich ihrem Trainingszustand ab. Und das unabhängig vom Alter.

Muss Alter immer mit geistigem Abbau verbunden sein?
Mit zunehmendem Alter erledigen wir immer mehr Alltagsaufgaben automatisch und ohne nachzudenken. Das ist normal, aber mit diesen Routinehandlungen ist unser Gehirn unterfordert, wir nutzen immer weniger unserer geistigen Kapazität.
Dabei gilt ein Naturgesetz: Organe, die nicht gebraucht werden, bilden sich zurück. Im Gehirn nimmt die Zahl der Nervenzellen bei Inaktivität messbar ab.
Die Folgen sind Merk- und Gedächtnisstörungen und Konzentrationsmängel. Reaktionsvermögen und Denkgeschwindigkeit sind verlangsamt.
Kennen Sie nicht auch die Erfahrung, dass man nach längerem faul verbrachten Urlaub einige Zeit braucht, um in einer fordernden Tätigkeit wieder voll leistungsfähig zu sein?
Logische Schlussfolgerung, das Gehirn muss aktiv bleiben, besonders nach der Berufszeit. Aber wie?
Zunächst durchleuchten Sie Ihren Alltag: Welche Tätigkeiten erledigen Sie routinemäßig, was können Sie auf andere, auf neue Art machen ? Was können Sie Neues unternehmen?
Erinnern Sie sich an den Inhalt eines Gesprächs oder an die Speisefolge einer Mahlzeit vom Vortag oder an die Telefonnummer eines Freundes oder lernen Sie Japanisch oder, oder...
Bleiben Sie immer neugierig, auch auf neue Technik. Warum sollen Computerspiele oder Internet nur Jüngeren vorbehalten sein?
Neue Eindrücke kann man sich auf angenehme Weise beim Reisen holen. Ein älteres Ehepaar aus meiner Bekanntschaft hat das so geregelt, dass es ziemlich konsequent in jedem Monat eine Woche zu interessanten Zielen unterwegs ist.

Mens sana ...
Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano, möge ein gesunder Geist in einem gesunden Körper sein, war der ironisch gemeinte Wunsch des römischen Satirikers Juvenal als Reaktion auf einen einseitigen Körperkult der damaligen Gesellschaft.
Recht hat er, geistige und körperliche Fitness gehören zusammen, und sie stehen tatsächlich in enger Wechselwirkung zueinander.

Bewegung - warum - welche - wie oft - wie intensiv?
Warum betonen wir immer wieder den Nutzen der Bewegung?
  • Weil sie unser Wohlbefinden verbessert und die allgemeine Leistungsfähigkeit,
  • weil sie das entscheidende Mittel ist, das Gewicht zu halten oder zu reduzieren, indem sie Stoffwechselprozesse anregt und die Muskelmasse erhält,
  • weil sie den Fettstoffwechsel günstig beeinflusst,
  • weil sie Herz und Kreislauf stärkt und den Blutdruck senkt,
  • weil sie das Immunsystem stimuliert,
  • weil sie die Lungenfunktion verbessert,
  • weil sie die Darmtätigkeit anregt,
  • weil sie antidepressiv wirkt und den Stressabbau unterstützt,
  • weil Bewegung gegen den vorzeitigen Verschleiß des Bewegungsapparates nützlich ist, unter anderem der Osteoporose vorbeugt,
  • weil seltener Gallensteine entstehen und
  • weil sie die Bewegungskoordination trainiert und deshalb seltener Unfälle auftreten.


Welche körperliche Aktivität ist ideal?
Wir brauchen eine ausdauernde Bewegung von relativ geringer Intensität. Dieses Kriterium wird am Besten durch die natürlichste Bewegungsform, das Gehen und Laufen erreicht, näherungsweise auch durch Rad fahren und Schwimmen.
Als ideale Bewegungsform besonders im fortgeschrittenen Alter erweist sich das sportliche Gehen (Walking). Flottes Gehen belastet den Bewegungsapparat weniger als Laufen oder Traben (Joggen), und es lässt sich bestens in den Tagesablauf einbauen. Wie effektiv das sein kann, zeigt eine Untersuchung, bei der die objektive Leistung innerhalb von zehn Wochen um 20 Prozent erhöht wurde, obwohl die Teilnehmer nur zwei Mal in der Woche 45 Minuten absolviert hatten. Und ein Teilnehmer schaffte mit 74 Jahren nach 6 Monaten einen Marathonlauf.

Für Stubenhocker: Mini-Stepper und Mini-Trimmer, letzteres ist ein kleines handliches Pedal-Tretgerät, passen vor jeden Sessel und können zum abendlichen Fernsehprogramm betrieben werden.
Man kann sich auch einen Hund zulegen, er zwingt zur Bewegung.
Krafttraining in der zweiten Lebenshälfte galt lange alles andere als der Gesundheit dienlich. Heute fordern die Ärzte dazu auf. Nahezu alle oben genannte Vorteile gelten auch hier, besonders profitieren an Osteoporose Leidende.
Sie haben mit der körperlichen Aktivität eine einfache, überall praktikable und bei richtiger Intensität nebenwirkungsfreie Möglichkeit, Alterungsprozesse aufzuhalten.
Oder, wie ein Freund treffend formulierte, Altern ist überwiegend Trainingsmangel.

Essen und trinken Sie was Ihnen schmeckt und gesund ist
Essen und Trinken sind eng verbunden mit Genuss, Lebensfreude und Gesundheit.
Gut für das Belohnungszentrum.
Die Natur hat uns in unserer Entstehungsgeschichte als anpassungsfähigen Allesfresser konzipiert. Sie lieferte Früchte, Beeren, Körner, Blätter, Pilze, Wurzeln, Nüsse, gelegentlich Eier, manchmal Fische oder Kleintiere, selten Großwild. Dann wurde gevöllert.
Nach unserem heutigen Verständnis war das eine vielseitige, nahezu vegetarische Kost mit gelegentlicher tierischer Ergänzung. Oder noch anders ausgedrückt, Kohlenhydrate in gebundener Form waren die Basis, dazu pflanzliches Eiweiß, seltener tierisches und kaum Fett. Und viele Ballaststoffe, Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und sekundäre pflanzliche Inhaltsstoffe. So wollen es unsere inneren Organe, so will es unser Stoffwechsel noch heute.
Eine bemerkenswerte Entwicklung hat sich in der medizinischen Diätetik vollzogen. Sieht man sich ältere Lehrbücher und Empfehlungen an, findet man für fast jede Krankheit eine besondere Diät mit Ge- und Verboten.
Liest man heute Ernährungsempfehlungen verschiedener medizinischer Fachgesellschaften, unter anderem zu Diabetes oder Krebs oder chronischen Darmerkrankungen oder einfach zur gesunden Ernährung, sind die Übereinstimmungen untereinander und mit dem Speisezettel unserer frühen Vorfahren verblüffend.
Die unten abgebildete Ernährungspyramide spiegelt das wider. Mit der breiten Basis kann man sich gefahrlos satt essen. Alles, was darüber ist, dient nur der Verfeinerung oder dem sparsamen Genuss.

Wie viel zu essen ist optimal?
Die einfache Antwort lautet: So viel, wie verbraucht wird. Das Gleichgewicht ist am Taillenumfang abzulesen oder an der Waage.
Ein Freund hat diesen Sachverhalt so formuliert:

Der liebe Gott gibt jedem von uns eine vorbestimmte Menge Essen für das gesamte Leben. Und einen Löffel. Wer seine Portion aufgegessen hat, muß den Löffel abgeben.


 

Die Ernährungspyramide

 

Wie oft zu essen ist das Beste?
Unsere Vorfahren haben sich je nach Angebot der Natur, jedenfalls unregelmäßig ernährt.
Die Organe haben sich darauf eingestellt, indem sie die für die Verdauung erforderlichen Säfte, Enzyme und Hormone erst bei entsprechenden Reizen zu Verfügung stellen.
Das übliche Frühstück-Mittag-Abendessen-Ritual, meist mit Zwischenmahlzeiten, ist offenbar Gewohnheit. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Magen etwa vier Stunden nach einer mittleren Mahlzeit wieder leer ist. Oder daran, dass wir einfach gern essen.
Aus all dem folgt, jeder sollte so oft essen und in einem solchen Rhythmus, wie es seiner Neigung entspricht, vernünftigerweise drei Mahlzeiten im 4 - 6 stündigem Abstand. Dann hat man auch keine Gewichtsprobleme.
Und wenn wir schon dabei sind, Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen:
Warum muss eine warme Mahlzeit am Tag sein? Unsere frühen Vorfahren lebten lange ohne Feuer.

Welche Nahrungsbestandteile sind besonders Gesundheit fördernd?
Vielen Nahrungs-Inhaltsstoffen wird etwas besonders Gutes nachgesagt. Einiges ist bewiesen, hier eine Auswahl:

  • Im Tee, egal ob grün oder schwarz, sind Flavonoide enthalten, die die Atherosklerose aufhalten können. Flavonoide sind Substanzen mit antioxidativen Wirkungen.
    Polyphenole im grünen Tee können außerdem noch die Krebsausbreitung hemmen.
  • Schokolade, besonders dunkle, enthält bis vier Mal mehr antioxidative Flavonoide als grüner Tee.
  • Auch Rotwein, Lauch, Zwiebeln, Zitronen und Äpfel enthalten Antioxidanzien.
  • Sulfide aus Knoblauch, Lauch und Zwiebeln wirken darüber hinaus noch antibakteriell und Blutdruck senkend.
  • Zwiebeln, auch zusammen mit Dill, Petersilie, Knoblauch, Gurke und Salat hilft wirksam bei Osteoporose.
  • Mit der zusätzlichen Fütterung von Blaubeeren, Erdbeeren und Spinat -wirksam in dieser Reihenfolge- konnten amerikanische Wissenschaftler 19 Monate alte Ratten, das Alter entspricht 70jährigen Menschen, messbar verjüngen, vermutlich ebenfalls infolge Antioxidation.
  • Lutein und Zeaxanthin, das sind Farbstoffe im Spinat, hemmen Altersveränderungen der Netzhaut des Auges.
  • Der blaue Farbstoff Anthocyan aus der Heidelbeere kann die Augenhintergrund-Veränderungen bei Diabetes, eine gefürchtete Komplikation mit Einschränkung bis Verlust der Sehkraft, verzögern.
  • Omega-3-Fettsäuren schützen vor der Atherosklerose. Sie sind im Fischöl enthalten.
  • Fisch ist außerdem eine der wichtigsten Jod-Quellen. 150 Gramm Fisch decken den Tagesbedarf.
  • Die Substanz Lycopin aus der Tomate stärkt Herz und Kreislauf und schützt vor Krebs, besonders nach Erhitzen des Gemüses.
  • Beta-Glukane aus den Haferflocken senken das Cholesterin im Blut.
  • Die Ferula-Säure des Rettichs fördert den Gallefluss.
  • Die Geschmacksstoffe im Rettich, Kohl und Senf sind antimikrobiell, Krebs hemmend und Cholesterin senkend.
  • Brunnenkresse wirkt mit ihren Glukosinolaten antimikrobiell v.a. bei Harnwegsinfekten.
  • Soja und Leinsamen enthalten Isoflavone, das sind Stoffe mit östrogenartiger Wirkung. Sie helfen vorbeugend gegen Osteoporose, Brustkrebs der Frau, Prostatakrebs des Mannes, und vor allem senken sie die Blutfette und beugen so der Atherosklerose, der Arterienverkalkung und damit dem Herzinfarkt vor.
  • Die Milch ist der Hauptlieferant für Kalzium.
  • Cranberry-Saft erhöht das gefäßschützende HDL-Cholesterin und beugt gleichzeitig Harnwegsinfekten vor.
  • Aus Nüssen entstehen wie aus Eiern neue Organismen. Deshalb sind in ihnen alle lebensnotwendigen Substanzen konzentriert. Für uns besonders interessant sind die Vitamine E und Folsäure, die Mineralien Magnesium und Kalium, das Spurenelement Kupfer und ungesättigte Fettsäuren. Damit haben Nüsse einen guten Einfluss auf den Cholesterinspiegel, auf den Herzrhythmus und auf die Fließfähigkeit des Blutes.
    Die Praxis beweist es: Frauen, die pro Woche 150 Gramm Erd- oder Walnüsse essen, senken ihr Herzinfarkt-Risiko um ein Drittel.

Nutzen Sie Liebe und Sexualität als Glücksspender
Sexuelle Aktivität ist der stärkste Stimulus für das Belohnungszentrums.
Liebe und Sex im Alter?
Rein biologisch betrachtet, muss das Fragezeichen stehen bleiben.
Oder auch nicht. Liebe und Sex haben so viele gute „Nebenwirkungen“, dass sie auch nach der reproduktiven Zeit sehr nützlich sind.
Liebende und sexuell Aktive haben nachweislich ein stabileres Immunsystem, sie erkranken seltener und leben glücklicher und länger.
Aber wie ist das mit der Liebe und vor allem mit dem Sex im zunehmenden Alter?
Fragen wir doch die Betroffenen, und wir erfahren:
Jede dritte 60jährige gibt an, sich regelmäßig selbst zu befriedigen. Nur drei Prozent der 70jährigen Frauen haben noch Sex, aber bis zu 75 Prozent der gleichaltrigen Männer. Woher der Unterschied? Drei Viertel der über 60jährigen Frauen leben allein, aber nur ein Viertel der Männer. Späte Kriegsfolgen und geringere Lebenserwartung sorgen für einen relativen Männermangel in dieser Altersgruppe.
Aber wir erfahren noch mehr: Sexuelle Wünsche und Aktivitäten sind so unterschiedlich wie die Menschen und das Altern selbst. Und, das Bedürfnis nach Zärtlichkeit steht bei den Meisten im Vordergrund, nicht der Geschlechtsverkehr.
Sex nach Herzinfarkt ? Kein Problem !
Das Mehr Sexualität, meine Herrschaften! von Oskar Maria Graf zitierte die amerikanische Professorin Suzanne Oparil auf dem Europäischen Kardiologenkongress in Barcelona 1999. Sie wandte sich entschieden gegen das Vorurteil, für Patienten mit Herzkrankheiten, Bluthochdruck oder Diabetes seien sexuelle Aktivitäten gefährlich.
Das wirkliche Risiko einer Herzattacke beim Sex liegt bei zehn zu einer Million.
Die amerikanische Gesellschaft für Kardiologie stellt die Belastung beim Sexualverkehr mit alltäglicher wie Gehen und Auto fahren gleich. Warum sollen also Herzkranke auf Sex verzichten? Wenn man sich so fühlt, kann man, selbst schon eine Woche nach Herzinfarkt, Bypass-Operation oder Ballondilatation.
Die Kardiologen geben auch gleich praktische Ratschläge für diese Fälle:
  • Sich den Verkehr so leicht wie möglich machen.
  • Sexuelle Aktivität nicht unmittelbar nach einer üppigen Mahlzeit aufnehmen.
  • Eine vertraute Umgebung und einen vertrauten Partner wählen.
  • Die Situation möglichst ruhig, entspannt und stressfrei gestalten.
  • Vom Arzt verordnete Medikamente vorher einnehmen.
  • Die Sache bei Unbehagen oder Unwohlsein beenden.
Was tun, wenn sie/er nicht mehr will?
Nach der Ursache forschen und sie beseitigen, das ist das Einfache, das so schwer zu machen ist.
Was kommt da nicht alles in Frage: Zwischenmenschliche Konflikte und Spannungen, körperliche Krankheiten und Veränderungen mit Beschwerden, Hormonmangel, Medikamente, Ängste und Depression oder auch nur eheliche Routine und Langeweile. Ein offenes Wort also zwischen den Partnern, ein vertrauensvolles Gespräch auch mit dem Arzt und/oder die sanfte Verführung.
Man kann ja auch ein wenig nachhelfen. Ein Hormonmangel lässt sich ausgleichen, anregende Situationen lassen sich schaffen. Man muss wissen, dass ein wenig Alkohol anregt, zu viel abschlafft. Was zu viel ist? Im Mittel eine Flasche Wein pro Person.
Und viele pflanzliche Anreger bringen mehr Spaß ins Bett. Wenn man will, z.B. mit Maibowle (Waldmeister), Tees aus Ephedra, Alstonia, Bilsen- und Bockskraut oder Yohimbia, alles in der Apotheke zu haben.

Was tun, wenn Er nicht mehr kann?
Wenn die Antwort auf die Gegenfrage: Will er denn? Ja heißt, muss der Arzt herausfinden, warum das so ist. Psychische Probleme durch Stress oder Depressionen oder Angst werden zwar immer wieder ins Feld geführt, aber krankheitsbedingte oder funktionelle Durchblutungsstörungen sind die wesentlichen Ursachen der Erektionsschwäche. Was dazu führt s. dort. Oder Nervenschäden wie beim Diabetes oder Alkoholmissbrauch, Wirbelsäulenveränderungen und Operationen im Becken (Prostata).
Die Verbesserung der Durchblutung ist tatsächlich die wirksamste Behandlungsmethode.

Was ist mit Viagra®, mit Cialis® und Levitra®?
Die Substanz Sildenafil wurde ursprünglich entwickelt, die Durchblutung des Herzens zu fördern. Dass es, quasi als Nebenwirkung, noch mehr die Gefäße in des Mannes bestem Stück erweitert, wurde von den Marketing-Experten der Firma Pfizer dankbar angenommen. Und darin liegt das Problem. Wird es gleichzeitig mit anderen gefäßerweiternden Mitteln eingenommen, verstärkt es die Wirkung so, dass über eine maximale Gefäßweite die Blutversorgung des Herzens kritisch abfällt und Todesfälle auftreten können. Also nie Viagra® und die für Herzkranke häufig verordneten Nitrate oder Molsidomin innerhalb von 24 Stunden zusammen einnehmen!
Deshalb ist Viagra® wie die beiden anderen neueren Helfer verordnungspflichtig.
Hilft Viagra® nicht, dann vielleicht die etwas aufwendigere Injektion gefäßerweiternder Substanzen wie Prostaglandin E1 in den Schwellkörper oder deren Einführung in den Harnkanal.
In Ausnahmefällen kann ihn dann noch eine Vakuumpumpe aufrichten oder als allerletztes Mittel ein aufblasbares Penisimplantat.

Entspannen Sie sich regelmäßig - s. Anti-Stress-Programme

Halten Sie Ihre Hormone im Gleichgewicht

Wenn wir uns im Zusammenhang mit dem Altern mit diesem Thema beschäftigen, denken wir natürlich zuerst an die Geschlechtshormone. Völlig zu Recht, wie wir gleich sehen.
Beginnen wir, wieder natürlich, mit den weiblichen.
Frauen haben bis zur Menopause seltener Herzinfarkte als Männer. Lässt mit der Regelblutung die Hormonproduktion nach, vor allem die des Östrogens und des Progesterons, steigt das Risiko steil an, und nach dem 65. Lebensjahr haben die Frauen die Männer auf diesem Gebiet überholt.
Es sei denn, sie führen die Hormone zu.
Dann sinkt das Risiko um etwa zwölf, bei Raucherinnen gar um 30 bis 40 Prozent, weil die Östrogene das „gute“ HDL-Cholesterin erhöhen, das „schlechte“ LDL-Cholesterin vermindern und es außerdem vor der Oxidation bewahren. HDL schützt die Gefäßwände vor der Atherosklerose, und LDL in seiner oxidierten Form lagert sich dagegen in den Gefäßwänden ab.
Die Östrogene stören auch etwas die Gerinnung durch Verminderung des Klebstoffs Fibrin, und schließlich erweitern sie die Blutgefäße. Ist es dann ein Wunder, dass Frauen, die zusätzlich Hormone einnehmen, im Alter wesentlich seltener an einer Demenz erkranken?
Frauen, Ihr habt es besser.
Was können die weiblichen Hormone noch?
  • Sie vermeiden klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen, Depressionen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.
  • Sie erhalten die geistige Leistung und schützen vor Vergesslichkeit.
  • Sie helfen jugendlicher auszusehen, weil sie die Haut glätten und den allgemeinen Lebenstonus erhöhen.
  • Sie beugen der Osteoporose vor.
  • Sie verzögern eine Gewichtszunahme.
  • Sie stärken das Bindegewebe und wirken so gegen Senkungen der Brüste, der Blase und der Gebärmutter.
  • Sie sorgen für ein saures Milieu im Harnblasen-Vagina-Bereich und beugen so Infekten vor.
Der Nutzen des Östrogenersatzes nach der Menopause ist also unbestritten.
Das Risiko, mit dem Hormon Thrombosen zu fördern oder Krebswachstum im Uterus und den Brüsten anzuregen, ist vergleichsweise gering. Die Brustkrebshäufigkeit ist zwar etwas höher, aber die Sterblichkeit daran und die Häufigkeit anderer Krebsarten geringer. Um ihm trotzdem vorzubeugen, werden angepasste Kombinationen mit anderen weiblichen Hormonen wie dem Progesteron oder auch männlichen gegeben.
Oder an die Stelle von Östrogenen treten neue Substanzen, die „nur“ die Östrogen-Rezeptoren der Organe verändern. Damit wird bezüglich der Osteoporose die gleiche Wirkung erreicht, aber ohne die Östrogen-Nebenwirkungen.

Die individuelle Hormon-Ersatz-Therapie setzt eine genaue Erfassung des Hormonstatus voraus. Doch das lohnt sich. Nahezu sofort verbessert sich das Befinden, die Fitness steigt, depressive Verstimmungen verschwinden, Beschwerden des Bewegungsapparates lassen nach, sogar der Cholesterinspiegel fällt ab, und das Alzheimer-Risiko sinkt um 30 Prozent.
Inzwischen scheint auch geklärt, wie Östrogene und Stimmung zusammenhängen, nämlich über das Serotonin, dem Wohlfühl-Hormon im Gehirn. Östrogene fördern die Bildung des Serotonins. Sein Mangel bedeutet Depression, reichliches Vorkommen ist gut für das Belohnungszentrum.

Sehr interessante neue Untersuchungen belegen die vielfältigen günstigen Wirkungen des zweiten wichtigen weiblichen Geschlechtshormons, des bereits genannten Progesterons.
Es schützt das Bindegewebe vor dem Alterungsprozess, wichtig in der Haut, wichtig aber auch im Beckenboden, denken wir nur an die häufige Inkontinenz oder gar Vorfälle. Außerdem kann es geschädigte Nervenscheiden regenerieren.
Jeder Mensch bildet auch gegengeschlechtliche Hormone, Frauen also männliche, die Androgene. Zu ihren Aufgaben gehört, Muskeleiweiß auf- und Fettgewebe abzubauen, und sie sind auch verantwortlich für den sexuellen Appetit. Lässt ihre Produktion nach, sind die Folgen absehbar.
So kann es durchaus sein, dass im Rahmen der individuellen Hormon-Ersatz-Therapie eine Frau auch männliche Geschlechtshormone erhält, ohne dass gleich ein Bart wächst oder ein Mann weibliche.

Viel diskutiert wird gegenwärtig über die Hormon DHEA (Dehydroepiandrosteron) und Pregnenolon. Diese Hormone wird in der Nebennierenrinde gebildet und sind Muttersubstanzen für die männlichen und weiblichen Geschlechtshormone wie Androsteron und Östrogen. Man schreibt ihnen Fähigkeiten zu wie Verzögerung der Altersvorgänge, Verminderung der Fettmasse, Stärkung der Muskulatur und generelle Verbesserung des Befindens und der Leistung.
Bewiesen ist das bisher zwar nicht, es gibt aber schon erste gute Erfahrungen.
Obwohl Männer bis zum 65 Lebensjahr häufiger als Frauen einen Herzinfarkt erleiden, liegt das nicht am männlichen Geschlechtshormon Testosteron, denn es wirkt gefäßerweiternd.

Kommen auch Männer in das Klimakterium?
Sicher ist, Männer müssen keinen so abrupten Hormonabfall wie Frauen verkraften.
Die Verfügbarkeit des freien Testosterons sinkt zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr kontinuierlich um durchschnittlich 1,2 Prozent im Jahr. Mit Folgen: Die Muskelmasse und damit die Kraft nehmen ab, ebenso die Knochendichte, die Blutbildung und die sexuelle Aktivität. Ebenso die Spannung der Haut. Dafür erhöhen sich die allgemeine Fettmasse und die Blutfette. Allgemeine funktionelle Störungen mit Antriebseinbußen beeinträchtigen das Befinden.
Sind diese Veränderungen stark ausgeprägt, können sie die Lebensqualität durchaus erheblich verschlechtern.
Wenn ein Hormonmangel erwiesen ist, hat die Ersatztherapie, wie bei Frauen eine angenehme Sofortwirkung.
Neben den Geschlechts- oder Sexualhormonen vermindern auch andere Hormonsysteme im Laufe des Alterns ihre Aktivitäten.

Wachstumshormon - der Stoff gegen das Altern?
Das jugendlichste aller Hormone ist das Wachstumshormon Somatotropin. Es baut Muskeln auf und Fett ab. Es regt den Eiweißaufbau an, erhöht den Grundumsatz, den Wassergehalt des Körpers und die Knochendichte, und es wirkt gegen die Atherosklerose, indem es LDL vermindert und HDL erhöht.
Fallen diese Wirkungen weg, passiert genau das Gegenteil, und wir sehen die klassischen Altersveränderungen vor uns.
Also einfach ständig Wachstumshormone einnehmen?
Zwar kommt es nach dem 20. Lebensjahr zu einer kontinuierlichen Abnahme des Somatotropins, aber leider haben Versuche, das Defizit zu ersetzen, zu keiner nennenswerten Leistungssteigerung geführt, aber immerhin zu einer deutlichen Stimmungs- und Befindensverbesserung.
Das Hormon der Zirbeldrüse Melatonin beeinflusst die Bildung verschiedener Hormone, auch des Somatotropins. Es ist auch verantwortlich für den Tag-Nacht-Rhythmus. Ist dieser gestört, Beispiel Transatlantikflug von West nach Ost, kommt es zur Schlaf- und Befindensverschlechterung. Mit Melatonin wesentlich weniger.
Weil die Melatoninproduktion ab dem 40. Lebensjahr sinkt, wird unterstellt, dass damit auch alle anderen Hormone weniger aktiv sind. Ein Ersatz würde eine allgemein die Stimmung aufhellende und die Leistung fördernde, ja verjüngende Wirkung haben.
Leider ist bis auf verbesserte Schlafqualität kein weiterer Vorteil objektivierbar.

Zusammengefasst: Hormone sind keine Wundermittel, sie können aber bei richtiger und individueller Anpassung die Lebensqualität beträchtlich erhöhen und den Alterungsprozess verlangsamen.

Erfreuen Sie sich an Genussmitteln
Genießen ist grundsätzlich etwas Gutes. Alle Genussmittel haben eines gemeinsam, Sie greifen in das System der Neuro-Transmitter ein.
Sie sind gut für das Belohnungszentrum.
Schauen wir uns nun einige Vertreter und ihren Einfluss auf unseren Organismus an und beginnen mit dem liebsten Getränk der Deutschen.
Keine Angst vor Kaffee ?
Vier Tassen Kaffee täglich, kein entkoffeinisierter!, reduzieren die Wahrscheinlichkeit, dass Gallensteine entstehen, innerhalb von 10 Jahren um die Hälfte, zwei Tassen um ein Drittel. Tee leider nicht, es hat nur halb so viel Koffein.
Das ist eine gute Nachricht, aber was ist mit Kaffee und Blutdruck, was mit Kaffee und Herz?
Auch hier Entwarnung, weder Blutdruck noch Herz leiden, eher umgekehrt.
Kaffee ist bei richtiger Dosierung das harmloseste Anregungsmittel der Welt. Aber, es ist ein Anregungsmittel, Doping für den Alltag. Es aktiviert fast alle Körperfunktionen.
Die Dosis ist entscheidend, ob Kaffee an- oder aufregt.
Das Vorurteil, Kaffee erhöhe generell den Blutdruck, beruht auf einem Druckfehler. Als in den dreißiger Jahren einer bekannten deutschen Kaffee-Firma ein Verfahren gelang, den Bohnen auf ganz einfache Weise das Koffein zu entziehen, hat sie das geschickt auszunutzen verstanden. Biologen gaben Versuchsmäusen soviel Koffein, wofür Menschen 20 Tassen bräuchten. Natürlich stellten sie hohen Blutdruck, Herzrasen und Rhythmusstörungen fest. Niemand bemerkte, dass in der Veröffentlichung ein Komma eine Stelle zu weit nach links geraten war, und niemand kontrollierte. Gleichzeitig brachte besagte Firma Kaffee ohne Koffein auf den Markt und verkaufte das reine Koffein an die Apotheken, als die Durchblutung förderndes und den Kreislauf stabilisierendes Medikament.
Von da an galt im deutschsprachigen Raum, und nur dort, der Kaffee als Gesundheitsfeind. In den slawischen und englisch sprechenden Ländern hat sich Koffein pikanterweise noch sehr lange in der Behandlung von Hochdruck-Krisen bewährt.
Allerdings, es gibt ein prominentes Experiment: Balzac brauchte an seinen in der Regel 18stündigen Arbeitstagen bis zu vierzig Tassen auf. Dieser Raubbau könnte für die schwere Krankheit mitverantwortlich sein, die ihm mit 51 Jahren einen frühen Tod brachte. Das ist aber kaum dem Kaffee anzulasten.
Nach wie vor wird versucht, dem Kaffee irgendeine die Gesundheit schädigende Wirkung nachzusagen, und wenn es die angebliche, nie bewiesene Erhöhung des Cholesterins ist.


Lob des Kaffees
Ein Mensch, mit Klopstock, hat bedacht:
Vergraben sei in ewiger Nacht
oft der Erfinder großer Namen-
wer wars, der des Kaffeebaums Samen,
daran wir heut uns alle trösten,
zu finden wußte und zu rösten,
dann ihn zu mahlen und zu sieden?
Kein Denkmal war ihm je beschieden.
Doch erzgegossen = hochgeboren
prahlt, wer bloß eine Schlacht - verloren!
Doch nur getrost! Wenn hingeschmolzen
schon längst das Denkmal dieses Stolzen,
ja, wenn die Menschen seiner spotten,
wird immer noch Kaffee gesotten.
Das Gute - nicht nur dieser Trank!-
Hat in sich selber Ruhm und Dank.
Eugen Roth


Kaffee als Schlafmittel?
Meinen älteren Lesern, die vielleicht ein Herzleiden haben und die nachts nicht durchschlafen können, darf ich empfehlen, unmittelbar vor dem Schlafen eine Tasse Kaffee zu trinken. Vielleicht gehören Sie zu den 95 Prozent, die eine erstaunliche neue Erfahrung erleben. Der Hintergrund dieser scheinbar paradoxen Wirkung: In der Nacht, am stärksten zwischen zwei und drei Uhr, werden alle Körperfunktionen reduziert, der Blutdruck, der Puls, auch die Pumpkraft des Herzens. Ist diese durch Alter oder Krankheit ohnehin vermindert, führt eine weitere Abschwächung zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns. Der Organismus wehrt sich mit verstärkter Aktivität, man wird wach.
Diese Phase überbrückt der Herz und Kreislauf anregend-tonisierende Kaffee.
Dass Kaffe auch die Darmtätigkeit belebt und die Verdauung fördert, wird kaum jemand als unangenehm empfinden.
Nach so viel Lob wird es Zeit zu sagen, dass der Autor passionierter Tee-Trinker ist.
Und auch, dass bei viel Licht natürlich einige Schatten auf den Kaffee-Genuss fallen.
Die Rede ist von der Verträglichkeit. Die Röstprodukte des Kaffees können die Magenschleimhaut reizen und die Gallenblase anregen mit entsprechenden Beschwerden. Sahne lindert das.
Kaffee muss immer als Anregungsmittel verstanden werden. Zuviel davon regt auf, macht Unruhe, Nervosität, Zittrigkeit, Schlafstörungen, Herzklopfen und erhöht den Blutdruck vorübergehend und geringfügig.
Man kann doch die Dosis steuern, oder?

Welche Rolle spielt Alkohol?
Lange Zeit wurde der Alkohol nur als schlimmer Gesundheitsfeind angesehen. Stimmt auch bei geschätzten zehn Millionen Abhängigen und drei Millionen Kranken.


Wein stärkt den kranken Magen,
erfrischt die ermatteten Kräfte,
heilt die Wunden an Leib und Seele,
verscheucht Trübsal und Traurigkeit,
verjagt die Müdigkeit der Seele,
bringt Freude und
entfacht unter Freunden
die Lust am Gespräch.

Augustinus (345-430)



Geradezu euphorisch reagierten die Winzer auf Studien, die das sogenannte französische Paradoxon entschlüsselten - mehr Zigaretten, gleicher Fettkonsum und weniger Herzinfarkte im Vergleich zu den Deutschen. Diese Untersuchungen belegen nämlich, dass sich die Atherosklerose vor allem durch Rotwein verzögern lässt. Und sie liefern auch gleich die Gründe: Bestandteile des Weines, bestimmte Flavonoide, wirken als Antioxidanzien, Alkohol erhöht das gefäßschützende HDL-Cholesterin, er verbessert die Fließeigenschaften des Blutes, und er wirkt Stress abbauend.
Deshalb haben mäßige Trinker eine höhere Lebenserwartung als Abstinenzler.
Die richtige Dosis ist entscheidend, das sind für die Frau maximal 20 Gramm Reinalkohol = 250 ml oder ein Viertele Wein bzw. eine Flasche Bier. Für den Mann das Doppelte. Hintergrund dieser Differenz sind die geschlechtsbedingt verschiedene Menge eines den Alkohol in der Leber abbauenden Enzyms. Außerdem ist der Wassergehalt des Frauenkörpers geringer und damit der Blutalkoholspiegel höher.
Über die genannte Dosis hinaus überwiegen wieder negative Wirkungen, wie später folgt. Nahezu alle Fachleute sind sich einig, den vorteilhaftesten Einfluss hat der Rotwein, aber Alkohol in jeder anderen Form hat, dosisabhängig, ebenfalls die beschriebenen Auswirkungen.


Rotwein ist für alte Knaben
eine von den guten Gaben

Wilhelm Busch




Rauchen ist zweifelsfrei die wichtigste Einzelursache für vorzeitiges Ableben.
Aber: Rauchen verschafft Genuss und Lebensfreude und scheint vor einigen Krankheiten zu schützen. Allerdings sind die vorliegenden Daten dazu widersprüchlich.
An Komplikationen der Arterienverkalkung, der Atherosklerose, stirbt jeder Zweite. Rauchen gehört zu den vier großen Risikofaktoren für diese Krankheit. Ein Risikofaktor für Atherosklerose erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Komplikation um den Faktor eins, zwei um den Faktor vier und drei um den Faktor neun usw.
Warum sollte deshalb jemand, der normale Blutfette und normalen Blutdruck hat und der kein Diabetiker ist, nicht rauchen dürfen?
Wegen Krebs, daran stirbt jeder Vierte. Richtig.
Wegen chronischer Lungenerkrankungen. Ebenso richtig.
Dann muss er eben alle Möglichkeiten der Vorbeugung und Frühdiagnostik nutzen.
Immerhin hat Jeanne Calment, unsere bisher Älteste mit fast 123 Jahren, erst mit über 100 Jahren das Rauchen aufgegeben. Und Auguste Renoir rauchte bis zuletzt 50 Zigaretten täglich. Er starb mit 78 Jahren an einer Lungenentzündung.
Das französische Paradoxon?
Ein Wort noch zu den Drogen. Das sind unterschiedliche Substanzen, die über die Neuro-Transmitter wie Dopamin und die Endorphine auf die Neuronen-Schaltkreise des Gehirns wirken und Lust, Euphorie und Belohnungsgefühle hervorrufen.
Alkohol, Cannabis, Opiate und Heroin hemmen den Abbau des Dopamins, während Amphetamin, Cocain, Ecstasy und Nikotin seine Wirkung verstärkt bzw. den Aufbau fördert.

Das Resultat ist das Gleiche, eine unnatürliche Überschwemmung des Belohnungszentrums mit Neurotransmittern. Sehr rasch gewöhnt sich dieser Abschnitt des Gehirns an die großen Mengen, und es entsteht ein Suchtgedächtnis.
Ist es über eine Gewöhnung bereits zur Sucht gekommen, bricht bei einem Entzugsversuch das ganze System zusammen und es entsteht ein unüberwindbares Verlangen, das stärker ist als der Wille.
Deshalb ist die Sucht eine Krankheit, eine nahezu unheilbare.

Trainieren Sie Ihr Immunsystem
Was ist das eigentlich, dieses Immunsystem?

Kein Staat kommt, will er lange Bestand haben, ohne Polizei und Armee aus.
So auch unser Zell-Staat, der Körper.
Unsere Abwehr ist tief gestaffelt und so kompliziert aufgebaut, dass mancher Wissenschaftler verzweifelt, geschweige denn hirnlose Viren oder Bakterien.
Weil die Aktivität des Immunsystems im Alterungsprozess abnimmt, werden Infektionen häufiger und schwerer, Krebse entwickeln sich leichter.

Wie kann man sein Immunsystem unterstützen und trainieren?
Das Erste, alles zu unterlassen, was das System schwächt.
Wieder sind wir bei den bekannten Gesundheitsschädlingen, beim Rauchen, bei Hektik, Stress und Überforderung, beim regelmäßigen Alkohol-Überkonsum und bei der Trägheit.
Auch viele Medikamente unterdrücken das Immunsystem. Dazu gehören vor allem die für die Chemotherapie bei Krebs verwendeten, das Kortison, einige Antibiotika und die häufig verordneten Schmerz- und Rheumamittel, sogar das Aspirin ab einer Dosis von einem Gramm pro Tag, das sind zwei Tabletten.
Das Zweite, alles zu tun, was das System stärkt.
Eine ganz wichtige Methode haben wir schon genannt, die Impfung. Die jährliche Grippe-Schutzimpfung wirkt nicht nur spezifisch gegen die jeweils aktuellen Grippe-Erreger, sondern trainiert das Immunsystem auch unspezifisch.
Bei häufigen Erkrankungen der oberen Luftwege gibt es Medikamente, die wie eine Art Schluckimpfung wirken. Extrakte aus vielen verschiedenen Bakterien werden über einen längeren Zeitraum eingenommen und ermöglichen dem Immunsystem, spezifische Antikörper zu bilden.
Aber auch mit einfachen Mitteln können wir das System stabilisieren, messbar an der Zunahme bestimmter Immunzellen.
Kaltwasser-Anwendungen, wie sie die Pioniere Kneipp und Prießnitz erfolgreich einführten, gehören dazu wie auch Sauna, Wandern und andere körperliche Aktivität, außerdem Lachen, Zärtlichkeit und Sex.
Wieso Sex ? Es ist eindeutig belegt, wer ein- bis zwei Mal in der Woche Sex hat, erkrankt wesentlich seltener an grippalen Infekten. Es muss wohl etwas mit der Verbindung von Psyche und Immunsystem zu tun haben.
Die neueren Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Psyche und Immunsystem haben zu einer neuen Wissenschaft, der Psychoimmunologie geführt.
Dass viele Entspannungsverfahren das Immunsystem stärken, ist eine objektive Tatsache, messbar an der Zunahme bestimmter Zellen. Das gleiche gilt für jede positive Emotion, sogar für das Lachen.
Jetzt ist erklärbar, warum jede antidepressive Behandlung auch eine Doppelwirkung hat.
Die Beobachtung, dass Infekte der oberen Luftwege in mit Öfen beheizten Wohnungen deutlich seltener als in zentral geheizten auftreten, belegt, dass häufige Temperaturdifferenzen ebenfalls einen Trainingseffekt haben. Außerdem erschwert trockene Raumluft den Schleimhäuten die Abwehrarbeit. Häufiger Aufenthalt im Freien ist ein Ausgleich.
Wem das nicht reicht, oder wen eine morgendliche kalte Dusche zu viel Überwindung kostet, kann auch auf die Hilfe einiger Pflanzen zurückgreifen. Sie haben in kritischen Situationen wie bei gehäuften Infekten oder in Grippezeiten oder nach einer Krebsbehandlung durchaus ihre Berechtigung. Purpursonnenhut (Echinacea), Mistel, Thuja und Wilder Indigo sind die bekanntesten Lieferanten.
Eine Gewürznelke im Mund hat so manchen Eingeweihten auch schwerste Grippe-Epidemien schadlos überstehen lassen.

Darm und Immunsystem - s. Darm-Sanierung
Eine Bemerkung zur viel beworbenen Frischzellentherapie. Zellen junger Tiere werden in den menschlichen Organismus injiziert mit dem Ziel, das Immunsystem zu stärken und den Körper quasi zu verjüngen. Was geschieht dabei wirklich? Zunächst wird einfach ein Fremdeiweiß eingebracht, das Immunsystem wird provoziert und aktiviert. Es reagiert wie bei einer Impfung. Leider kann das Immunsystem auf Fremdeiweiße auch überschießend reagieren, mit Allergie oder gar tödlichem Schock. Und ist man denn sicher, dass die Tiere völlig gesund sind?
Warum soll man sich einer Gefahr aussetzen, wenn es doch wesentlich harmlosere Methoden mit gleicher Wirkung gibt?




Vermeiden Sie, was das Leben verkürzt
s. Durchblutungsstörungen, Krebsvorsorge, Gewichtsreduktion, Anti-Stress-Programme und Gesundheits-Check.

Vorschläge für ein gesundes und freudbetontes alt werden
- Ein Fazit -




Prüfen Sie anhand Ihres Gesundheitszustandes, welche Lebenserwartung für Sie realistisch ist und wie Sie vorzeitiges Sterben vermeiden können.
Das geht nicht, meinen Sie? Es geht doch:
Überzeugen Sie sich als erstes vom Zustand Ihres Gefäßsystems.
Sie erinnern sich, Herz-Kreislauf-Krankheiten sind die mit großem Abstand häufigste Todesursache.
Stellen Sie sich folgende Fragen:
  • Bin ich Nichtraucher?
  • Habe ich normalen Blutdruck?
  • Sind meine Blutfette HDL- und LDL-Cholesterin sowie Triglyzeride normal?
  • Ich bin weder Diabetiker noch gefährdet?
  • Habe ich ein normales Körpergewicht?
  • In meiner Familie gibt es keine Herz- oder Kreislauf-Krankheiten?
  • Ich stehe weder im Dauerstress noch habe ich eine Depression?
  • Bin ich körperlich aktiv?
Wenn Sie alle Fragen mit Ja beantworten können, sind Sie ein Kandidat für ein langes Leben. Müssen Sie allerdings mehr als ein Mal Nein sagen, sollten Sie als erstes Ihren Hausarzt bitten, die Intima-Media-Dicke an den Hals-Schlagadern zu messen oder messen zu lassen. Wieder erinnern Sie sich, das sind die Innen-und die Mittelschicht der Arterien, die zusammen nicht dicker als 0,7 mm sein dürfen. Sie erinnern sich auch, diese Adern sind repräsentativ für alle anderen.
Dann wissen Sie, woran Sie sind und auch, was zu tun ist, um auf möglichst viele der obigen Fragen mit Ja antworten zu können.
Prüfen Sie als nächstes, ob Sie krebsgefährdet sind.
Obwohl es mit dem Krebs, der zweithäufigsten Todesursache, und seinen Risiken, schon etwas schwieriger ist, fragen Sie sich:
  • Gibt es gehäuft Krebs in der Familie?
  • Rauche ich?
  • Trinke ich regelmäßig mehr als 40 Gramm Reinalkohol am Tag?
  • Bin oder war ich Sonnenanbeter und habe viele Muttermale?
  • Habe oder hatte ich Magengeschwüre?
  • Habe ich eine chronische Darmentzündung?
  • Esse ich mehrmals am Tag Gemüse und Obst?
  • Habe ich Knoten in der Brust?
  • Lasse ich regelmäßig eine Vorsorge-Untersuchung durchführen?
Mit diesen einfachen Fragen haben Sie schon 75 Prozent der Todesursachen erfasst.
Nehmen Sie noch die chronischen Lungenkrankheiten, die Alkoholkrankheit und die Depressionen dazu, sind Sie schon über 90 Prozent, von denen Sie wissen, wie vorzeitiges Sterben vermieden werden kann.
Das Wie der Vorbeugung liegt schon in den Fragen.

Setzen Sie sich nun ein Ziel, wie alt Sie werden wollen.

Der nächste Schritt: Planen Sie das Alt werden.
Ein langes Leben macht nur Sinn, wenn es einen Inhalt hat.
Für sich und für andere da zu sein, heißt die Zauberformel.
Und aktiv zu sein, sozial, geistig und körperlich.


Tages Arbeit, abends Gäste,
saure Wochen, frohe Feste
sei dein künftig Zauberwort.

Goethe


Sorgen Sie bewusst für Ihr Wohlbefinden -belohnen Sie sich täglich.
Fragen Sie sich zunächst:

  • Kann ich mich noch freuen?
  • Fühle ich mich körperlich wohl?
  • Habe ich Interesse an vielen Dingen?
  • Fühle ich mich munter, schwungvoll und leistungsfähig?
  • Ist mein Schlaf erholsam?
  • Ist mein Appetit in Ordnung?
  • Sind mir nutzlose Grübeleien fremd?
  • Bin ich mit meinem Sexualleben zufrieden?
Können Sie alle Fragen bejahen, sind Sie glücklich dran, steht fast überall ein Nein, sollten Sie mit Ihrem Arzt reden und Ihre wahrscheinliche Depression behandeln lassen.

Gönnen Sie sich regelmäßige Gesundheitsurlaube.

Gestalten Sie Ihr Äußeres attraktiv und lächeln Sie sich jeden Morgen im Spiegel zu.



Das alles und noch mehr können Sie nachlesen in:

Richard KLATT „Lange leben mit Genuss

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